Meine kleine Deutschunterricht-Hölle
So, hier kommt ein weiterer Schwank aus meiner Jugend. Ist ja auch schon zehn Jahre her. Abitur in Baden-Württemberg ist eine helle Freude, wenn es um die Literaturthemen des Deutschunterrichts geht. Da haben wir Brechts Galilei, den ich wirklich mag. Gute Geschichte, gutes Buch. Und dann gibt es da Bücher … ich glaube, mit denen will man heranwachsende Männer einfach nur quälen.
Mein persönlicher Antichrist der Pflichtlektüre ist “Gestern war heute” von Ingeborg Drewitz. Kurz: Ich hab’s gehasst. Ich fand’s unendlich langweilig und es steht für mein Martyrium in der Oberstufe, durch das ich ging.
Dabei fing alles so gut an: 11. Klasse, toller Lehrer, tolle Themen (Schillers Räuber, Homo Faber, Brechts Galilei – aber auch kreatives Schreiben. wirklich offene Diskussionen und der Lehrer hat wirklich eigene Interpretationen zugelassen) und ich entdecke endlich wieder die Lust am Deutschunterricht.
Es war mein bestes Deutsch-Jahr und ich kam auf ne wirklich sehr gute 2, oder schrammte an der 1 vorbei. Dieser Lehrer (seinen Namen darf ich wohl nennen), Herr Dern, verließ dann leider Sandhausen und zog nach, ich glaub Düsseldorf. Schade, dem würde ich heute gern mal wieder schreiben…
Aber zurück zum Thema.
Dann kam die 12. Klasse. Meine neue Deutschlehrerin fängt locker an, fragt uns sogar, was wir gern lesen würden. Ich schlug spontan den Hobbit vor. Naja, wir haben ihn nicht gelesen. Stattdessen lasen wir “Das Parfüm” (mag ich leider auch überhaupt nicht), “Bronsteins Kinder” (das fand ich ganz gut), nochmal den Galilei und eben “Gestern war heute”.
Tja, und da fing der ganze Mist an. Man darf mich nicht als Rebell verstehen. Ich gab mir Mühe und kam mündlich immer auf 8 Punkte (also irgendwo im 3er Bereich).
Aber schriftlich … da passten meine Lehrerin und ich wohl nicht zusammen. Denn was immer ich auch ablieferte, sie gab mir 2 Punkte. Ne 5. Thema verfehlt.
Ok, wie das bei ner Textinterpretation überhaupt gehen soll, das muss man mir mal in Ruhe erklären.
Jedenfalls rettete ich mich durch meine mündlichen Leistungen grade so Arsch über Latte noch auf ne 4 in Deutsch.
Ey, ne 4!
Den Vogel schoss die Tatsache ab, dass wir zu “Gestern war heute” ne Interpretation schrieben. Es wurde eine Frage gestellt und im Anhang des Buches wurde der Autorin haargenau die selbe Frage gestellt. Und sie beantwortete sie auch. Da stand schon, wie die Autorin die Stelle angelegt hatte. Und wir alle kannten diese Passage. Ich hab sie auch nicht abgeschrieben, ich habe sie um meine eigenen Ansichten erweitert. Und was hab ich bekommen? Richtig – Thema verfehlt.
Das muss man mal sacken lassen.
Meine beste Arbeit war übrigens die Abiklausur, die – oh Wunder – durch die Hände eines Zweitkorrektors ging. Die hob sich auch deutlich von meinen anderen Arbeiten ab, also was die Note anging. Stilistisch habe ich nichts verändert. Von Thema verfehlt keine Spur.
Zufall?
Ok, was will ich sagen? Deutschunterricht ist leider ganz stark lehrerabhängig. Und wenn du da nicht ankommst mit deinem Stil, dann hast du echt ins Klo gegriffen. Ich will gar nicht an allem der Lehrerin die Schuld geben, aber dennoch hat Deutschunterricht für mich in der Oberstufe irgendwie wenig mit Deutschunterricht zu tun. Man sollte es in “Pseudo-Literatur-Kritik” umbenennen. Und “wenn-du-nicht-meiner-Meinung-bist-Pech-gehabt”. So empfand ich es jedenfalls.
Aber die Frau hat immerhin einen Wunsch in mir geweckt: Bücher zu schreiben, die ich ihr vor die Nase knallen kann. Dann frage ich sie, wie ich das wohl gemeint habe und lache sie aus, weil sie nicht meine Meinung teilt.
Nein, ernsthaft, ich hoffe, dass meine Bücher niemals Pflichtlektüre an deutschen Schulen werden. Zumindest nicht, wenn die Unterrichtsform sich nicht ändert.


Dezember 1st, 2009 at 16:14
Ha, da bin ich ja heute über den perfekten Link für dich gestolpert:
http://www.youtube.com/watch?v=DKB6XH9i__s
Kann noch hinzufügen: Ich hatte Deutsch- und Englisch-Leistungskurse. Habe nach em Abitur studiert: Deutsch und Englisch.
Aber meine beste Prüfungsnote im Abi hatte ich – in Religion.
Als Atheist. Hm.
Dezember 2nd, 2009 at 11:08
Sieh es doch mal so: Wenn Dir nicht so viel Widerstand zuteil geworden wäre, hättest Du vielleicht nie den Jetzt-erst-recht-Trotz entwickelt, um es allen zu beweisen.
Und dann hättest Du vielleicht nie diese Laufbahn eingeschlagen und tolle Bücher geschrieben.
Summa summarum: Man weiß halt nie, wofür’s gut war.
Is eben manchmal einfach weise, die Frau Mama.