Hello, Mr. President
Erstmal herzlichen Glückwunsch an Christian Wulff zum gewonnenen dritten Wahlgang. Aller guten Dinge… usw., ich will mir die Platitüden eigentlich sparen.
Aber ein paar Dinge sind mir dann doch aufgefallen. Und vorweg, ich bin kein Politologe, ich bewege mich irgendwo im Dunstkreis zwischen Stammtisch, politisch aufgeklärtem und interessiertem Bürger, und Michel Friedmann nannte Anfang Juni die Künstler und Kreativen sogar ein Machtzentrum.
Also dann, direkt aus dem Tower of Power.
Zur Linken.
Dort gab man das ewige und immer selbe Blabla von sich, das im Endeffekt doch nur zeigt, dass sie beleidigt sind, dass sie niemand hinten rumhebt. Was erwarten die eigentlich? Dass man den zur Gesinnung passenden Teppich ausrollt?
Schauen wir uns das Ergebnis der Wahlgänge doch mal an, bzw. das interessanteste davon. Im ersten Wahlgang gab es 600 für Wulff, 499 für Gauck und 126 für Jochimsen – die am Ende der Bundesversammlung nichtmal die Hymne mitsang.
Ich bin gewiss kein blinder Patriot, auch kein großer Fan der schweren, getragenen Hymne. Aber es gibt Situationen, in denen sogar ICH eine gesangliche Enthaltung als unpassend empfinde.
Aber was fällt dem geneigten Leser auf? – Richtig. Wenn es der Linken wirklich darum ginge, der Regierung einen Denkzettel zu verpassen und deren politisches Wirken zu erschweren*, dann wäre hier die Chance gewesen.
Kleines 1 mal 1 in Guerilla-Taktik. Man stellt einen eigenen Kandidaten auf und lässt die Großen im Glauben, dass man wieder sein eigenes, schales Süppchen kocht. Dass im ersten Wahlgang die meisten Abweichler aus der schwarz-gelben Fraktion auftauchen würden, war doch absehbar oder zumindest zu hoffen.
Clever wäre also gewesen, im ersten Wahlgang geschlossen Gauck zu wählen. Man hätte eine absolute Mehrheit erzielen können. Dass die Linke Geschlossenheit besitzt wurde ja mit den Enthaltungen bewiesen.
Aber gut, vorbei ist vorbei, wir spielen nicht “hätte, wäre, wenn und aber”, doch intelligente Opposition sieht in meinen Augen eben anders aus.
Die Linke präsentiert sich doch immer mehr als bloßer Spielverderber. Wie der Proll, der anderen die Sandburg zertritt, aber selbst nichtmal ein Eimerchen hat.
*)Jetzt haben wir einen Parteisoldaten (sehr blöder Begriff) als Präsidenten. Der hat bestimmt kein Problem damit, überdimensionierte Rettungsschirme binnen von Sekunden abzunicken oder dergleichen. Alles für Mutti Merkel, eben.

