… ja was eigentlich? Der nächste Superstar kann’s nicht sein, wenn man sich die Halbwertszeit der bisherigen “Gewinner” mal ansieht.
Okay, erstmal ein paar Geständnisse: Ich habe die DSDS-Staffel nicht gesehen, aber gestern nacht kurz aufs Ergebnis gezappt. Insofern bin ich auch schuldig, dass der Mist noch gesendet wird. RTL hat mich geschlagen, sie haben mich erwischt. Zwischen den “Bösen Mädchen” und “Upps!” bin ich schwach geworden, war mit dem Hund draußen und habe die letzten fünf Minuten nicht mehr umgeschaltet.
Warum man aber dennoch so gut wie alles über die Staffel weiß, liegt an solch hochkarätigen Formaten, wie “exclusiv”, in denen es neben der Frage, welcher Star wie viel zugenommen hat und wie tief gefallen ist, auch immer um DSDS geht. Nach dem perfekten Promidinner auf Vox kommt der gleiche Mist ja nochmal.
Und vor allem: in den Pausen bei gZsZ – ja, ich gestehe, ich schaue mir das an. Die Schauspieler sind durchmischt, manche sind gut, andere grottig. Was aber immer grottig ist, ist das Script. Man kann da ganz einfach vorausdenken: Nimm die schlimmstmögliche Annahme, wie es weitergehen könnte und multipliziere sie mit zehn. Dann bist du am Fortlauf der Serie dran *g*
Okay, genug gestanden. Ja, ich schaue hin und wieder den Dummensender-RTL. Der mit seinen Sendungen (außer der Formel1-Übertragung, aus der sie leider diesen “Deutschland gegen alle” – Kampf machen) immer stärker versucht die Angst der normalen Bürger zu schüren. Angst vor dem Absturz in die Schuldenfalle und/oder ins soziale Abseits. Jede Sendung belegt doch irgendwo nur, wie verkommen die deutsche Gesellschaft angeblich doch ist.
Hier ist mal meine generelle Meinung zu RTL und deren Philosophie: Ihr solltet euch wirklich schämen. Ganz ohne Witz. Als Massenmedium hat man eine gewisse Verantwortung. Sei es um die Bildung, den Dienst an der Gemeinschaft, oder einfach nur um ethische Korrektheit. Ihr solltet euch wirklich schämen.
Da wird mit dem einfachen Muster gearbeitet: Schadenfreude (mir geht’s besser als den gezeigten) und Angst (hoffentlich stürze ich nicht auch so ab).
Aber nun zum eigentlichen Grund des Postings, das in seiner Art natürlich auch dem Sender voll ins Programm läuft. Denn darüber aufregen und reden ist besser, als zu schweigen.
Nicole Rensmann hat sich in ihrem Blog über die diesjährige Staffel von DSDS aufgeregt und in dem Zuge auch von Manipulation gesprochen.
So sehr ich Nicole auch zustimme, sie geht nicht weit genug. Ich könnte mir gut vorstellen, dass die Staffel wirklich und tatsächlich bis ins letzte Detail manipuliert ist.
Bei der Sendung geht es doch nicht um das Endprodukt, also den “Superstar”, es geht um die Sendung. Um die Quote. Um Werbegelder und die Trottel, die für 50 Cent da anrufen. Ich könnte mir gut vorstellen, dass die Anrufe (vielleicht mit Ausnahme des Finales) gleich 0,0% Einfluss auf das Ergebnis der einzelnen Sendungen haben. Man lässt einfach die weiterkommen, die man medientechnisch am besten ausschlachten kann. Um gesangliche Qualitäten geht es da doch leider gar nicht.
Und betrachtet man sich die Gewinner, an die man sich noch erinnern kann, dann bestätigt sich doch der Trend zum “höher, schneller, weiter” auch da. Nur eben in der Form “schlimmer, abgründiger, extremer”.
War der erste Gewinner, glaube ich, noch ein Durchschnittsjunge eines Gymnasiums, so sind es heute immer häufiger Angehörige der sozialen Schichten, die RTL “berühren” will. Ich meine das nicht abfällig, sondern besorgt. Wer sich weigert, sein ganzes Privatleben preiszugeben, der hat schon gar keine Chance mehr da mitzumachen. Und wer ein “normales” Leben führt, der ist sowieso uninteressant. Warum nutzt man lieber Kandidaten aus sozial schwächeren Schichten? – Weil die sich freuen unds Maul halten, grob gesagt.
Kommen wir mal kurz zur Bekanntgabe des Ergebnisses. Da steht Marco Schreyl und onaniert verbal zehn Minuten darüber, wie armselig doch beide Kandidaten ohne DSDS sind. Dass der Verlierer quasi zurück in die Gosse muss, für den Sieger ein Leben in Luxus beginnt usw.
Halt! Man nenne mir bitte alle “Superstars”, die davon heute ein Leben in Luxus führen können. Oder verbringen die nicht doch eher ihre Zeit mit regionalen Auftritten? Wo sind die großen Deutschlandtourneen? Die neuen Alben von den Gewinnern vor, ka, 2006?
Da werden keine Superstars gemacht. Das ist die moderne Form der Sklaverei, wenn man den Gerüchten um die Vertragsgestaltung glaubt.
Und das schlimmste an der Sache ist, dass die Kandidaten da wirklich auf eine bessere Zukunft hoffen, dass sie sich das Geseier vom Schreyl wirklich zu Herzen nehmen. Die ganzen Lügen, die man ihnen da eintrichtert. Wo ist denn da die Medienaufsicht? Wo ist die Altersbegrenzung? Teilnahme FSK 18? Man muss vor allem Heranwachsende vor einer solchen Maschinerie schützen. Junge Menschen, die ihren Weg noch gar nicht gefunden haben, denen wird da eingetrichtert, dass sie nach DSDS ohnehin niemals wieder etwas besseres erleben können.
Ich weiß, ich drehe mich gerade ein wenig im Kreis, aber mein Ärger über eine solche Rücksichtslosigkeit und kühle Berechnung, ist nahezu grenzenlos.
Aber muss das immer so laufen? Wie bei DSDS und Popstars?
Nein. Man nehme das Beispiel Stefan Raab. Bisher hat er zwei Musiker gefunden, mit der Oslo-Geschichte jetzt drei. Und beide scheinen noch immer aktiv zu sein, bringen neue Platten, Raab bewirbt diese in seiner Sendung, lässt sie bei seinen Events auftreten. Ich habe einfach das Gefühl, dass da viel realistischere Erwartungen angelegt wurden, viel realistischere Ziele verfolgt werden. Und nicht zuletzt, viel fairer mit den Gewinnern umgegangen wird. Insofern ziehe ich meinen Hut vor dem Mann, der mich bis heute noch in seine Sendung einladen muss 
Raab zeigt hier, bei aller Blödelei, die er sonst veranstaltet, einen viel sensibleren Umgang mit den Träumen und Hoffnungen junger Menschen. und letztlich auch mit deren Zukunft.
Und das sollte das Fernsehen sein: Verantwortungsbewusst im Umgang mit der Gesellschaft. Ich erwarte nicht nur Dokumentationen und wissenschaftliche Sendungen. Aber ich erwarte, dass man Menschen nicht auf dem Altar der Quote ofpert, indem man ihnen falsche Versprechungen macht.
Eine Gesellschaft hat unter anderem die Aufgabe, die schwächeren zu schützen. Das Fernsehen sollte sich von diesem Grundsatz nicht freisprechen.